Kunstvolles aus Haar


25. November 2017 — 3. Juni 2018

Flechten, drehen, kleben, stanzen - Haare liessen sich vielfältig verarbeiten. Aus flachen oder runden Haargeflechten entstehen noch heute kunstfertige Ohrringe, Broschen oder Ketten. Mit Haarstaub wurden filigrane Bilder geschaffen und aus zu Schlaufen gewickelten Haarsträhnen aufwändige dreidimensionale Haarbilder gestaltet. Schmuck und Bilder aus menschlichem Haar faszinieren und irritieren.

Schmuckstücke aus Haaren sind seit dem Mittelalter im nördlichen Europa überliefert. Gross in Mode kam der Haarschmuck während des Biedermeiers. Für den intensiv gepflegten Freundschafts- und Erinnerungskult jener Zeit waren Haararbeiten aller Art passende Ausdrucksmittel. Weit verbreitet war der Brauch, dass die Braut dem Bräutigam eine Uhrkette aus ihrem eigenen Haar schenkte. Totengedenkbilder wurden mit kunstvoll aus Haaren gestalteten Trauerweiden oder Pflanzenranken ausgestattet.

Die Ausstellung präsentiert eine Vielfalt an wertvollen Haararbeiten. Dank Leihgaben aus der Sammlung Marie Fässler-Neff, Lochbuebe Marie, Brülisau, sind über 120 historische Schmuckstücke zu sehen. Sie zeigen eindrücklich die hohe Kunstfertigkeit dieses Handwerks. Herausragend ist der Haarschmuck von Maria Elisabeth Signer (1824–1908), der wichtigsten Repräsentantin der Innerrhoder Haarflechterei. Zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind 16 einmalige Haarstaubbilder aus dem Kloster Grimmenstein, ergänzt durch filigrane Bilder und Medaillons aus dem Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen.

Heute wird das fast vergessene Kunsthandwerk durch Mina Inauen und Jakob Schiess, beide aus Appenzell, auf hohem Niveau weitergeführt. In der Ausstellung sind Teile ihrer aktuellen Haarschmuckkollektion zu sehen. Zudem hat die renommierte Lausanner Künstlerin Lorna Bornand auf Einladung des Museums Appenzell künstlerische Interventionen aus Haar realisiert.

Ausstellungsflyer mit Begleitprogramm

© Museum Appenzell_Diverse-geflochtene-Herren_Uhrketten_1870_1910_1
Diverse geflochtene Herren-Uhrketten, 1870-1910
© Museum Appenzell_Schutzmantelmadonna, Haarmalerei aus dem Kloster Grimmenstein_Ende_19_Jahrhundert
Schutzmantelmadonna, Haarmalerei aus dem Kloster Grimmenstein, Ende 19. Jahrhundert

Flechten, drehen, kleben, stanzen - Haare liessen sich vielfältig verarbeiten. Aus flachen oder runden Haargeflechten entstehen noch heute kunstfertige Ohrringe, Broschen oder Ketten. Mit Haarstaub wurden filigrane Bilder geschaffen und aus zu Schlaufen gewickelten Haarsträhnen aufwändige dreidimensionale Haarbilder gestaltet. Schmuck und Bilder aus menschlichem Haar faszinieren und irritieren.

Schmuckstücke aus Haaren sind seit dem Mittelalter im nördlichen Europa überliefert. Gross in Mode kam der Haarschmuck während des Biedermeiers. Für den intensiv gepflegten Freundschafts- und Erinnerungskult jener Zeit waren Haararbeiten aller Art passende Ausdrucksmittel. Weit verbreitet war der Brauch, dass die Braut dem Bräutigam eine Uhrkette aus ihrem eigenen Haar schenkte. Totengedenkbilder wurden mit kunstvoll aus Haaren gestalteten Trauerweiden oder Pflanzenranken ausgestattet.

Die Ausstellung präsentiert eine Vielfalt an wertvollen Haararbeiten. Dank Leihgaben aus der Sammlung Marie Fässler-Neff, Lochbuebe Marie, Brülisau, sind über 120 historische Schmuckstücke zu sehen. Sie zeigen eindrücklich die hohe Kunstfertigkeit dieses Handwerks. Herausragend ist der Haarschmuck von Maria Elisabeth Signer (1824–1908), der wichtigsten Repräsentantin der Innerrhoder Haarflechterei. Zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind 16 einmalige Haarstaubbilder aus dem Kloster Grimmenstein, ergänzt durch filigrane Bilder und Medaillons aus dem Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen.

Heute wird das fast vergessene Kunsthandwerk durch Mina Inauen und Jakob Schiess, beide aus Appenzell, auf hohem Niveau weitergeführt. In der Ausstellung sind Teile ihrer aktuellen Haarschmuckkollektion zu sehen. Zudem hat die renommierte Lausanner Künstlerin Lorna Bornand auf Einladung des Museums Appenzell künstlerische Interventionen aus Haar realisiert.

Ausstellungsflyer mit Begleitprogramm

© Museum Appenzell_Geflochtene Herren-Uhrkette_Ausschnitt_Ende_19_Jahrhundert
Geflochtene Herren-Uhrkette (Ausschnitt), Ende 19. Jahrhundert
© Museum Appenzell_Mann mit Uhrkette aus Haar_um_1900
Mann mit Uhrkette aus Haar, Foto: Jakob Müller, um 1900
© Museum Appenzell_Lorna_Bornand_Les trois grâces_Lorna Bornand_2015
Les trois grâces, Lorna Bornand, 2015
© Museum Appenzell_Gläsli-Brosche-mit-Haarstaub und geflochtenem Haar_um_1880
Gläsli-Brosche mit Haarstaub und geflochtenem Haar, um 1880
© Museum Appenzell_Brosche aus Haar_um 1880
Brosche aus Haar, um 1880
© Museum Appenzell_Frau-in-Tracht-mit-Armband und Uhrkette-aus-Haar-Foto-Jakob-Müller_um-1900
Appenzellerin in Tracht mit Armband und Uhrkette aus Haar, Foto: Jakob Müller, um 1900
© Museum Appenzell_Frau-mit-Ohrringen-aus-Haar_Ende-19_Jahrhundert
Frau mit Ohrringen aus Haar, Ende 19. Jahrhundert
© Museum Appenzell_Appenzellerin mit Halskette aus Haar_Foto_Jakob Müller_um_1900
Appenzellerin mit Halskette aus Haar, Foto: Jakob Müller, um 1900
© Museum Appenzell_Eicheli Ohrringe-aus-Haar_um-191
Eicheli-Ohrringe aus Haar, um 1910
© Museum Appenzell_Seite aus dem Musterbuch des Coiffeurs und Haarflechters J. Jakob Rohner_Herisau_um 188
Seite aus dem Musterbuch des Coiffeurs und Haarflechters J. Jakob Rohner, Herisau, um 1880